Der Geheimrat Dr. Schmidt

Eine der imposantesten Figuren der Seelbacher Fasent ist der Geheimrat Dr.Schmidt, eine Einzelfigur.

Als das Geschlecht der Fürsten von der Leyen in Seelbach im 18. und 19. Jahrhundert auf Schloß Dautenstein regierte, gab es auch einen Geheimrat Dr. jur. Philipp Carl Edler von Schmidt zu Dautenstein, der bei seiner Durchlaucht dem Fürsten in Diensten stand. Allerdings fiel Dr. Schmidt bei dem Fürsten in Ungnade, der ihn beschuldigte Gelder veruntreut zu haben. Beim Hofgericht zu Rastatt wurde er zur Rückgabe der Gelder an den Fürsten von der Leyen verurteilt.

Der Volksmund erzählt, daß Schmidt in Seelbach auch eine Sparkasse gegründet hatte, in die die Bürger und Bauern des Dorfes fleißig ihr Erspartes einzahlten. 1822 starb Dr. Schmidt. Der Sage nach mußten die eifrigen Sparer feststellen, daß der Herr Schmidt all ihre Gelder veruntreut hatte und nichts mehr davon übrig geblieben war. Kein anderer aber, als der geheime Rat selbst, konnte diese ungeheuerliche Unterschlagung begangen haben. Man verflucht und verwünschte ihn, auf daß er im Grabe keine Ruhe fände.

Viele Seelbacher Bürger wollen den Geist des Herrn Schmidt in Seelbach in der Nacht herumirren gesehen haben und man befürchtete, daß sich Geheimrat Schmidt an ihnen rächen würde. Die Sage erzählt weiter, daß man sich daran machte seinen Geist in einer Flasche zu fangen. Als man glaubte ihn eingefangen zu haben, vergrub man die Flasche im "Luxenloch", einem Waldstück bei Seelbach.

Diese Gegebenheit wird alljährlich am Abend des Schmutzigen Donnerstags im Klostergarten aufgeführt. Geheimrat Dr. Schmidt wird durch die Seelbacher Narren aus einer überdimensionalen Flasche befreit, um den Schlüssel der Gemeindekasse aus den Händen des Bürgermeisters entgegennehmen zu können.

Am Fasentdienstag jedoch wird er wieder durch das Narrengericht verurteilt und durch die Narren aufgehängt, verbrannt und seinen Geist steckt man wieder in die Flasche.